Abstimmungen zum Covid-19-Gesetz im Vergleich

Die Schweiz hat zweimal über das Covid-19-Gesetz abgestimmt. Ein Vergleich der Ergebnisse in den Kantonen zeigt: die Polarisierung nahm ab und die Zustimmung nahm (nur) in der Deutschschweiz zu.

Zweimal wurden die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger an die Urne gebeten, um über das Gesetz zur Bewältigung der Corona-Pandemie zu befinden: einmal am 13. Juni 2021, und einmal am 28. November 2021. In beiden Fällen ging es um zwei sehr ähnliche Vorlagen, die in sehr kurzen Abständen an die Urne kamen. Solche Fälle sind in der Schweiz sehr selten, was einen genaueren Blick auf die Ergebnisse interessant macht.


Hätten die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger in beiden Abtimmungen in allen Kantonen genau gleich abgestimmt, so würden die JA-Anteile in beiden Fällen genau gleich hoch sein. Wenn man nun die JA-Anteile beider Abstimmungen miteinander vergleicht, müssten diese in besagtem Szenario perfekt auf einer Diagonalen zu liegen kommen, welche in der Grafik unten mit der durchgezogenen schwarzen Gerade angezeigt ist. Wie man sieht, ist dies jedoch nicht der Fall: es kam zu leichten Verschiebungen in ausnahmslos allen Kantonen.


JA-Stimmen in den Kantonen bei beiden Abtimmungen zum Covid-19-Gesetz im Vergleich

Unterschiedliche Entwicklungen & Gruppenbildungen

In fast allen Kantonen hat die Zustimmung zum Covid-19-Gestz beim zweiten Mal im Vergleich zur ersten Abstimmung zugenommen – ausser im Tessin, sowie in Genf, Vaud, Neuenburg und im Jura. Selbst in jenen beiden Kantonen, in welchen das Gesetz zweimal abgelehnt wurde, Schwyz und Appenzell-Innerrhoden, nahm die Zustimmung im Vergleich zur ersten Abstimmung zu. Einzig in den rein italienisch- und französischsprachigen Kantonen nahm die Zustimmung ab, obgleich diese Kantone zu den stärksten Befürwortern gehörten.


Legt man eine lineare Trendlinie durch die Datenpunkte, so erkennt man schnell, dass diese flacher als mit 45° ansteigt. Bei einem Winkel von genau 45° wäre die Polarisierung zwischen den Kantonen bei der zweiten Abstimmung gleich gross gewesen wie bei der ersten und bei einem steileren Winkel hätte sie sogar zugenommen. Aufgrund des flacheren Winkels lässt sich sehen, dass zumindest die Abstimmungspolarisierung zwischen den Kantonen abgenommen hat – was jedoch nichts über die Polarisierung zwischen Personen und politischen Gruppen in der Gesellschaft sagen kann.


Zu guter Letzt fällt ins Auge, dass sich die Kantone in drei Gruppen bewegen. Zum einen sind da die Zentral- und Ostschweizer Kantone Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden, Glarus, Thurgau und beide Appenzell, die dem Covid-19-Gestz eher skeptisch gegenüber stehen. Die meisten Kantone bilden eine Gruppe im Mittelfeld, namentlich Bern, Freiburg, Solothurn, Basel-Land, Zug, Aargau, Luzern, Graubünden, Schaffhausen, Wallis und Jura. Die dritte und letzte Gruppe besteht aus jenen Kantonen, welche in beiden Abstimmungen die höchsten JA-Anteile aufwiesen: Basel-Stadt, Zürich, Neuenburg, Tessin, Genf und Vaud. Interessanterweise waren es gerade vier dieser sechs Kantone, in welchen die Zustimmung bei der zweiten Abstimmung tiefer ausfiel, zusammen mit dem Kanton Jura.