Dungeons and Dragons: über die Grenzen des virtuellen Soziallebens
In den letzten Jahren mussten wir uns alle darin üben, unser Leben – beruflich und privat – von zuhause aus am Bildschirm unseres Computers zu führen. Dank der modernen Technologie ist hierbei vieles möglich. Aber sind diese Möglichkeiten ausreichend? Eine Google Trend Analyse am Beispiel von Dungeons and Dragons.
Dungeons and Dragons – oder kurz D&D – ist ein Rollenspiel, bei dem eine kleine Gruppe Spieler an einem Tisch sitzt und die selbst erdachten Figuren mit etwas Würfelglück unter Anleitung des Spielmeisters – Dungeon Master genannt – fantastische Abenteuer bestreiten lässt. Die Spielregeln finden sich im Spielerhandbuch, welches mindestens vom Dungeon Master sorgfältig studiert und griffbereit gehalten werden sollte. Soweit die Kurzfassung.
Eine Runde D&D dauert im Normalfall ein paar Stunden, ideal also für einen verregneten Nachmittag mit ein paar Freunden. Es ist des Weiteren nicht zwingend erforderlich, dass sich die Spieler in ein und demselben Raum befinden. Man kann D&D auch von zuhause aus spielen, der Technologie sei Dank virtuell mit seinen Mitspielern verbunden über Discord, Skype, oder jede andere Plattform für digitale Meetings.
Gerade in einer Zeit, die vom tristen Alltag einer andauernden Pandemie geprägt ist, erfüllt D&D somit die Voraussetzungen, um das Highlight des Abends zu sein, um sowohl mit seinen Freunden regelmässig Kontakt zu haben als auch der Realität für eine gewisse Zeit entfliehen zu können.
Um im Falle des Interesses an D&D die notwendigen Informationen zu finden, um mit dem Spielen beginnen zu können, bedarf es nur weniger Klicks im Internet. So konnte man bis und mit Februar 2020 bei den Google Trends zu Suchbegriffen wie «dungeons and dragons» und «how to play dungeons and dragons» eine gewisse Konstanz beobachten, die mutmasslich ein mehr oder weniger stabiles Interesse (neuer) Spieler an D&D zeigt – insbesondere auf den angelsächsischen Raum bezogen.
Es wäre nun doch naheliegend, dass die entsprechenden Trends ab Frühjahr 2020 gestiegen sein sollten, doch das sind sie nicht. Im Gegenteil: die Google Trends Statistik zeigt ab dem Beginn von «stay at home» klar nach unten. Aber warum?

Die Gründe sind vermutlich mannigfaltig und können den Daten von Google nicht entnommen werden. Sicher ist einzig, dass das Interesse D&D zu spielen, respektive damit zu beginnen, in dieser Zeit abgenommen hat, nachdem es vormals relativ konstant war. Es lässt sich jedoch noch eine weitere Aussage machen. Wären nämlich die digitalen Wege D&D zu spielen in der Wahrnehmung der Spieler perfekte Substitute, so hätte das Interesse, gemessen an den Google Trends, zumindest stabil bleiben sollen.
Vielleicht aber war es in jenen Tagen schlichtweg weniger Leute nach D&D zumute; die allgemeine Stimmung litt stark unter dem Pandemiedruck, wie man noch heute in den Medien liest. Für die D&D-Fans gibt es aber auch eine gute Nachricht: seit diesem Frühjahr nimmt gemäss den Google Trends das Interesse an D&D wieder zu und scheint zumindest kurzfristig höher zu sein als vor der Pandemie. Jedoch ist der Beobachtungszeitraum aktuell noch zu kurz, um hierzu eine gefestigte Aussage oder gar eine Prognose für die nahe Zukunft ableiten zu können.

Schliesslich zeigt diese Entwicklung hinsichtlich der technischen Möglichkeiten, welche uns während der letzten beiden Jahre trotz Einschränkungen arbeiten und miteinander in Kontakt bleiben liessen, eine Grenze auf. Nur weil etwas auch digital von Zuhause aus gemacht werden kann, heisst doch noch nicht, dass die Menschen dies auch tun wollen. Ich für meinen Teil habe D&D in den letzten Jahren mit Freunden sowohl am Desktop wie auch an einem Tisch gespielt. Beides funktioniert, dies sei verraten. Jedoch macht es durchaus mehr Spass, wenn die Blicke aller Spieler gleichzeitig das Rollen der Würfel auf und über die Tischplatte verfolgen und bejubeln oder bedauern können.